header image
 

Spucken Sie doch mal wieder

Als Nutzer von U- und S-Bahn erlebt man schon eine Menge. Ich frage mich immer, ob die Menschen in der Bahn repräsentativ für den Rest der Bevölkerung sind. Wenn das so wäre, könnte einem angst und bange werden.

Zunächst beginnt es mit der Vorstellung direkt am Bahnsteig. Mit kräftigen Röchelgeräuschen wird in fein abgestimmten Abständen ein kleiner Vorrat von Speichel auf den Bahnsteig gespuckt. Man kann es wirklich so oft beobachten, daß sich sogar Stilrichtungen erkennen lassen. Der Jungspucker z.B. entläßt seine eklige Fracht mit gesengtem Kopf, vorzugsweise beim Rauchen (was eigentlich schon seit Ewigkeiten in Hamburg in den Bahnstationen verboten ist). Es ist dabei mehr ein fadenlastiges Hinablassen, dafür aber in hoher Frequenz. Der südländische Spucker bevorzugt hingegen einen schwungvollen Bogen, gerne mit rachialem Beiklang und höherer Fracht. Vorzugsweise auch im Nachgang begleitet mit einem kontrollierenden Griff in den Genitalbereich. Wo auch immer da der Zusammenhang ist. Sie finden diese Beschreibungen ekelerregend? Dann sollten Sie sich das mal live ansehen. Stellenweise sind ganze Bereiche des Bahnsteiges mit Speichelinseln bedeckt. Ich frage mich dabei, wieso diese Menschen es selbst nicht ekelig finden? Und an welcher Stelle hat da die Erziehung versagt? Gab es überhaupt so etwas? Wie sieht es bei solchen Menschen zu Hause aus? Aber Erziehungsmängel fokussieren sich ja nicht nur im mannigfaltigen Speichelablaß. In der Bahn geht es über das dümmliche und geistfreie Zerkratzen von Scheiben, über das Füßehochlegen auf Sitzbänke oder gar das immer beliebtere Spielchen mit den Mobiltelefonen, deren quakige Lautsprecher die Nerven der Mitfahrer bis an die Grenze strapazieren. Und seit es zum guten Ton der Asozialen gehört, Menschen, die sich über solch laute Musik beschweren, eines auf die Mütze zu geben, erheben sich nur noch die ganz Mutigen fatalistisch gegen diesen eklatanten Mangel an Gemeinsinn und gesundem Sozialverhalten. Gerne werden sich auch einmal im Angesicht der restlichen Passagiere die Fingernägel gefeilt und lustig der Staub weggeblasen. Ach, was ein Spaß. Dagegen ist das gedankenverlorene Popeln ja fast eine Bagatelle und eher eine Reminiszenz an alte Zeiten, als die Asozialen sich zumindest noch bemühten, ihren Schein zu waren. Ausblick auf Morgen? Düster. Noch lächeln Sie? Aber wenn das Benzin geradewegs so teuer wird, wie es zu befürchten steht, sehen wir und Spucker uns eh schon recht bald in Bahn und Bus. Dann spätestens werden Sie erkennen, was ich gemeint habe.

~ von rotkohl am 15. April 2008.

Eine Antwort hinterlassen