Die neue Atomkraftfrage

Ach, was haben wir uns gefreut, als endlich beschlossen wurde, aus der Atomkraft auszusteigen. Und was ist jetzt? Es mehren sich Stimmen, die nun doch für eine Weiterführung von Strom aus Atomkraft sind. Zunächst stelle ich fest, daß die ganze aggressive Spekulation mit den Rohstoffen nun offensichtlich nicht nur zu einer unsozialen Steigerung aller Preisparameter führt, sondern auch noch der Rückkehr der menschenbedrohenden Atomtechnik Vorschub leistet. Angeblich soll jeder Zweite für Atomkraft sein. Oft wird dabei gerne behauptet, die Einstellung zu Atomenergie stehe auch und gerade mit der politischen Einstellung der Befragten im Zusammenhang. Dazu meine ich: Das hängt nur von der vorhandenen Hirnmasse ab. Ich möchte das vergleichen mit einer Autofahrt bei 240 km/h über die Autobahn. Zunächst ist der Fahrer überhaupt nicht in der Lage, das Gefahrenrisiko seines Handelns realistisch zu überschauen. Er gibt aber an, gerne schnell zu fahren und es würde bei seinem sicheren Auto schon nichts passieren. Falsch gedacht! Wir fahren nur deshalb so schnell mit einem Auto, weil wir eben nicht in der Lage sind, die physikalischen Risiken richtig zu beurteilen. „Passiert schon nichts“. Das dachte der Mercedes-Fahrer letzte Woche bestimmt auch, als er bei 240 km/h kurz hinter Kassel sich nach einem Unfall in kleine Häppchen zerlegte. Genau das ist es, was Atomkraft in sich trägt: Ein absolut unwägbares Risiko. Es ist eine derart fehlerintolerante Technik, daß ein vernünftig denkender Mensch so etwas nie einsetzen würde. Aber wirtschaftliche Interessen schalten ja von jeher jegliche Vernunft ab (siehe z.B. die Abholzung der Regenwälder). Und dann ist auch noch das Gedächtnis der Menschen so unfaßbar schlecht. Ich will ja gar nicht mehr von Tschernobyl reden, aber man betrachte sich doch einmal alleine die Störfälle der letzten Zeit: In Forsmark wußte nicht einmal der Hersteller, warum die Aggregate versagten und das Kraftwerk ganz kurz vor dem Super-GAU war und, liebe Leser, das war in Schweden wirklich knapp. Stellen Sie sich vor, wir hätten ein wenig mehr Pech gehabt, dann hätte uns ein erfrischender Wind aus Schweden den Tod auf Raten geschickt. Selbst hier in Norddeutschland gab es in der jüngsten Zeit mehrere, schwerwiegende Störfälle. Da kokelt mehrere Tage lang ein Generator auf dem Gelände des Reaktors und die bekommen den nicht einmal vernünftig gelöscht. Dann stellt sich noch heraus, es ist Uralt-Technik und die Sache sollte auch noch vertuscht werden. Auch weiß niemand so recht, wohin mit dem Atommüll, der ja genau so gefährlich und unwägbar ist. Und so weiter..
Und da wollen wir wirklich weitermachen??? Ich wage eine provokante These: Wer heute für die Weiterführung von Atomkraft ist, ist nicht nur kurzsichtig, sondern hat einen echten Dachschaden!
Um abschließend noch einmal auf den Mercedes-Fahrer zurückzukommen: Wenn der sich lächelnd in den Tod fährt, dann ist das sein Pech, aber die Verwendung von Atomenergie kann uns alle mitreißen.

Daher: Finger weg vom Atomausstieg!

~ von rotkohl am 6. Juli 2008.

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