Wann endlich platzt Ihr Kragen bei der Preistreiberei?

Heute sinkt der Rohölpreis deutlich unter 100 $/Barrel, der Dollar fast unverändert: Shell erhöht sofort um sechs Cents an der Zapfsäule. Falsche Richtung, ach egal…. Die Begründungen werden immer abstruser und beleidigen den Intellekt eines jeden Zuhörers. Sprit soll einfach weiter mindestens 1,45 Euro kosten, egal wie die Parameter sich auch verändern. Und wehe, wenn der Rohölpreis wieder nach oben geht. Dann wird es noch einmal extra teuer. Von sozialer Verantwortlichkeit hat sicher bei denen noch nie jemand etwas gehört. Gewinnmaximierung um jeden Preis! Und dieser Gewinn liegt doch jetzt schon in schwindelerregenden Höhen. Oder schauen wir auf Heizöl, Strom und Gas. E.on, RWE und andere „Versorger“ in den Branchen erhöhen dort einskalt schon fast im Monatstakt. Auch denen sind Appelle von Politik und Verbraucherverbänden vollkommen(!) egal. Man tut fast so, als sei es eine höhere Macht, die den Energiepreis bestimmt.
Solche Mechanismen setzen sich ja auch schon im Supermarkt fort: Da springt eine mittelprächtige Nudel in sechs Monaten von 80 Cent auf 1,50 Euro. Salatgurken müßten ein fernsteuerbares Display als Preisschild haben, so schnell steigt der Preis im Augenblick. Salatöl macht die absolut gleiche Preissteigerung durch wie die Nudeln. Käse, Gemüse, alles drastisch teurer und ein Ende nicht abzusehen.
Heute läßt die Bahn dann noch verlauten, sie erhebe einen Zuschlag pro Fahrkarte, wenn man so unverschämt sei, sich im überfüllten Reisezentrum 30 Minuten genervt anzustellen und sich persönlich von einem mißgelaunten Mitarbeiter der Deutschen Bahn eine Fahrkarte zu kaufen. „Bedienzuschlag“, natürlich nicht pro Bedienvorgang, sondern pro Ticket. So kann jemand, der für eine Gruppe Hin- und Rückfahrt bucht, schnell diese Gebühr zweistellig bezahlen müssen. Das zusammen mit der unverschämten, zweiten Preiserhöhung des Jahres: Eine echte Frechheit.
Dann stehe ich heute einmal wieder vor der Shell-Tankstelle meines Mißtrauens, die wieder gerade die Preise erhöht hat und sehe wieder drei, vier Wagen, die dort tanken. Ich kenne auch viele, die noch nicht ihren Energieversorger gewechselt haben. Es riecht nach schlimmster Apathie. So geht das so immer weiter.
Ich habe heute eine Unterhaltung zweier, offensichtlich nicht schlecht situierter, Frauen mitangehört. Man erzählte sich übereinstimmend, nun einen Raum in der Wohnung im Winter nicht mehr heizen zu wollen. Man fahre jetzt auch mehr mit der Bahn.
Wir haben Kriege überstanden, erfanden und forcierten die Industrialisierung. Erreichten Wohlstand. Und jetzt? Wir drehen die Uhr wieder zurück, weil wirtschaftliche Interessen und die Spekulationen mit Nahrung und Rohstoffen einfach keine Ethik mehr kennen. Es ist die Gier, die den Takt vorgibt.
„Etwas ist faul im Staate Dänemark…“, um es mit Shakespeare zu sagen.

Und wann platzt Ihr Kragen?

~ von rotkohl am 11. September 2008.

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