Im Grunde zeigt unser Bundespräsident Christian Wulff das typische Verhalten eines schmierigen Emporkömmlings. Er selbst hob früher nur zu gerne den moralischen Zeigefinger und urteilte streng über Dritte. Doch kaum kam Christian Wulff zu Macht und Ehren, warf er offenbar seine eigenen, hohen moralischen Werte über Bord und benahm sich, wie sich Politiker in den Augen des Wahlvolkes nur zu gerne benehmen:
Er suchte die Nähe zu den Mächtigen der Wirtschaft und ließ sich aushalten wie eine Mätresse. Hochzeitsreise, Urlaube, Buchwerbungen, verbilligte Kredite, alles nahm der Mann nur zu gerne und sonnte sich im Schein der Macht der Wirtschaft.
Dann sein vermeintliches Krisenmanagement, das gar keines war. Er wich stets Fragen von Journalisten aus, schickte ängstlich nur seine Anwälte an die Frage- und Antwortfront und signalisierte damit den Menschen: „Ja, ich habe etwas zu verbergen.“
Selbst über seine Jurisprudenz-Schergen, gab er nur zu, was längst alle wußten. Schließlich der kommentarlose Rauswurf seines vertrauten Beraters. Unbegründet, nebulös. Unwillkürlich fühlt man sich an italienische Verhältnisse erinnert.
Schließlich die hochnäsige und geradezu überhebliche Äußerung, er selbst könne sein Verhalten in dieser Sache vertreten.
2007 schrieb Christian Wulff ein Buch mit dem Titel „Besser die Wahrheit“. Ein Hohn, wenn man sich jetzt die zahlreichen Vorwürfe und sein Verhalten ansieht.
Doch in der Politik scheint immer wieder zu gelten: „Was interessiert mich mein Gewäsch von gestern?“
Was diesem Skandal aber auch in die Hände spielt, ist das Verhalten seiner politischen Mitstreiter. Daß die Kanzlerin gestelzt davon spricht, der Bundespräsident habe vorbildliche Arbeit geleistet, mag ebenso falsch wie verständlich sein. Doch wenn selbst ein Sigmar Gabriel dazu aufruft, der Bundespräsident möge zu Gunsten der Stabilität des Landes und der Wirtschaft nicht zurücktreten, ist das eine politische Armutserklärung. Heißt es doch nichts anders, als daß man unehrlich und moralisch minderwertig sein darf -selbst im höchsten Amt der Bundesrepublik- wenn es dann der Stabilität des Staates dient???
Pfui. Hier wird ein Moralist in den Reihen von Amt und Würden gehalten, der auf seine eigenen Maßstäbe pfeift und so transparent wie der Cousin des Paten ist.
Wer sich bewußt moralisch erhöht, das höchste Amt im Staate ausübt und sich damit sehenden Auges hohen allgemeinen Maßstäben unterwirft, der muß auch den Schneid haben, seinen Hut bei solchen Fehlverhalten zu nehmen. Alles andere ist verloren und zeigt Machtverwendung wie zu Zeiten des Feudalismus.
Das alles ist wieder ein Musterbeispiel, wie man Politikverdrossenheit beim Wahlvolk erzeugt. Wer will von solchen zwielichtigen Politikern regiert werden, die sich nicht einmal mehr an die eigenen Maßstäbe halten?
Ein Staatsoberhaupt muß allerhöchsten moralischen Anforderungen entsprechen. Ist es mittlerweile systemimmanent, daß Politiker unschickliche Freundschaften zu Finanzjongleuren pflegen und überhaupt die nötige moralische Integrität vermissen lassen? Müssen wir uns daran gewöhnen?
Nein, das müssen wir nicht.
Es sollte jetzt Zeit für einen Bundespräsidenten Joachim Gauck sein.



