Der Protest der Wall Street ist in Deutschland angekommen, was sehr erfreulich ist. Daher hier eine kleine Bestandsaufnahme dieser, nunmehr auch deutschen, Proteste.
Wenn man sich zunächst nur ansieht, wie in Deutschland gegenwärtig Politik und Wirtschaft betrieben werden:
Ganz vorne die FDP, die sämtliche Entscheidungen offenbar im Anus der Konzerne beschließt und von unreifen Kinderpolitikern beherrscht wird.
Die CDU kippt dreist einen längst beschlossenen Atomausstieg. Die Banken werden seit langem von der sinnvollen Transaktionssteuer verschont. Herr Ackermann regiert augenscheinlich mit. Auch wenn die Bankenzockerei diesen Wirtschaftskrisen überhaupt erst den Weg bereitet hat, zahlt der Bürger zwangsweise die Zeche und wird dabei gleich an zwei Fronten betrogen: Als Steuerzahler für von ihm nicht verursachtes Fehlverhalten und gleich wieder als Kunde der Banken, mit exorbitanten Gebühren und rigidem Geschäftsverhalten.
Auch die Energiekonzerne beuten unverschämt die deutsche Bevölkerung aus und verursachen alleine durch ihre dreiste Preispolitik einen gewaltigen Inflationsschub. Aber auch hier keine Konsequenzen. Energiekonzerne und politische Entscheidungsträger sind einfach einander zu nahe. Unappetitliche Beispiele der Vergangenheit: Ex-Kanzler Schröder, Joschka Fischer, Wolfgang Clement, usw.
Sogar die Deutsche Bahn spielt fleißig mit: Für dümmliche Projekte wie Stuttgart 21 ist Geld ohne Ende da, aber trotzdem werden jetzt wieder schamlose 4,9% Preiserhöhung von den Bürgern gefordert. Die Überheblichkeit der Bahnchefs hat schon fast Tradition. Die Arroganz eines Herrn Rüdiger Grube gegenüber den Kunden, die immerhin sein Gehalt bezahlen, ist unglaublich.
Schließlich die Eurorettung: Ein Prinzip, das primär der Wirtschaft nützt, wird durch aberwitzige Zahlungen aus dem Staatshaushalt bestritten. Für Bankenrettungen sind auch stets viele Milliarden bereit. Doch für Straßenbau, günstigen Wohnraum, bezahlbare Energie oder ein gutes und wertebildendes Schulsystem bleibt nichts. Eine Pervertierung gesellschaftlicher Prinzipien.
All diese Dinge kochen die Volksseele hoch.
Doch es bleibt abzuwarten, ob sich in Deutschland wirklich genügend Frust gestaut hat, um die Straßen mit Protest zu füllen. Das ist schwierig zu beurteilen. Der Zorn ist zweifelsohne vorhanden.
Leider liegt die Organisation und Kanalisierung dieses Protests in Händen von Bündnissen, die durch ihr linkes und dogmengeprägtes Verhalten kaum Schnittmengen zur Normalbevölkerung bilden können. Dazu kommt die massive Präsenz der Partei „Die Linke“ bei den Protesten. Eine Partei, die mit ihrer unbewältigten SED-Vergangenheit , den verstörenden Äußerungen zum Mauerbau und der teils fehlenden Distanzierung vom Stalinismus, kein gutes Aushängeschild für den Protest ist.
Außerdem ist der Protest denkbar schlecht organisiert. Das konnte man bei den Veranstaltungen am 15.10. gut erkennen.
Doch eine Strömung dieses Protestes ist klar erkennbar. Es werden immer mehr Menschen und immerhin ziehen die Medien (wenngleich dort viel zu stark auf die Gewalt bei den Protesten geschaut wird) halbwegs mit. Und in der Bloggosphäre ist das Thema schon wunderbar besetzt.
Ich persönlich drücke ganz fest die Daumen, daß die Bewegung ihre Kraft nicht verliert und sie noch steigern kann.
Zeigen wir den Konzernen und Banken, wer hier die Gehälter zahlt und wessen Werte wieder berücksichtigt werden müssen!



