Die deutsche Sprache wird zunehmend aus dem Alltag verdrängt.
„We love to entertain you“ läuft da auf Pro7 permanent über den Bildschirm. Natürlich könnte man auch viel netter sagen, „Wir lieben es, Sie zu unterhalten“. Aber das ist natürlich „out“. Ein simpler Hausmeister ist heute ein „facility manager“ und Buchhalter sind jetzt „Accountants“. Wir sind nicht mehr in Besprechung, sondern im „Meeting“. Es gibt kaum eine Ecke, in der dieses Denglisch nicht vorkommt. Im Einzelhandel gibt es keinen Schlußverkauf mehr, sondern einen „sale“.
Manchmal treibt es auch regelrechte Blüten: So wird bei Sportveranstaltungen, äh, ich meine natürlich „Sportevents“, das sog. „public viewing“ durchgeführt. Gemeint ist im Grunde die öffentliche Aufführung einer Veranstaltung. „Public viewing“ bedeutet aber eigentlich die öffentliche Leichenschau vor einer Beerdigung. Aber das scheinen die Trottel, die diesen Ausdruck geprägt erfanden, nicht gewußt zu haben.
Besonders auch das Privatfernsehen hat Schuld an dieser Entwicklung: Zur Hauptsendezeit, die natürlich ausschließlich „Primetime“ genannt wird, gibt es kaum noch deutsche Film- oder Serientitel: „Two and a half men“, „King of Queens“, „Ghost Whisperer“ und so weiter, und so weiter. Selbst vollkommen unnötige Übersetzungen wie „Germanys next top model“ verschwinden nicht aus den Programmen. In Kandidatenveranstaltungen („Castingshows“) wird nicht aufgetreten oder etwas aufgeführt, sondern „performt“. Die Slogans der Privaten wimmeln nur so vor Englisch: „Color your life“ oder „It’s fun“.
Dann natürlich auch die Werbung: Offenbar hat man keine Lust mehr, sich mit der eigenen Sprache zu befassen und weicht auf Englisch aus. Da klingen die Begriffe doch viel „cooler“. So bekommt man bei der Telekom ausschließlich Tarife in englischer Sprache: „Home and Call, Entertain“ Gedöns, die wahrscheinlich nicht einmal die eigenen Mitarbeiter kapieren.
Jüngstes Bekloppt-Beispiel: Die Firma Bose. Da werden geschlossene Kopfhörer doch tatsächlich „QuietComfort Acoustic Noise Cancelling Headphones“ genannt. Der neue tragbare und kabellose Lautsprecher wird da mal kurzerhand „SoundLink® Wireless Mobile Speaker“ genannt. Da kann der Kunde nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln. Das ist eine mehr als idiotische Wortwahl. Man fragt sich unwillkürlich, welche Vollhorste solchen Mist produzieren.
Kosmetik wird fast ausschließlich mit beknackten Anglizismen beworben: Hier an der Stelle für alle anderen Deppen z.B. Garnier: Da heißt ein aktuelles Produkt tatsächlich „BB Cream Blemish Balm“ oder bei L’Oreal „Hydra Active 3“, „Perfect Clean“ oder auch „Youth Code“.
Aber auch Autofahrer werden mit englischen Werbesprüchen bombardiert: „Feel the difference“ von Ford. Nicht einmal die Franzosen sich zu schade, ihre Produkte in Deutschland mit „drive the change“ zu bewerben. Die Japaner steuern mit Suzuki „way of life“ dazu.
Doch es gibt auch Beispiele, die dem Denglisch die Stirn bieten. Der neue Spruch von ebay beispielsweise heißt „mein ein für alles“. Opel sagt: „Wir lieben Autos“. Doch solche Beispiele sind eben leider rar.
Ich denke, daß Deutschland aufgrund der langen Diskussion nach dem Zweiten Weltkrieg einfach ein extremes Identitätsproblem hat. Es fehlt ein gesundes Nationalgefühl. Wer heute äußert, stolz auf Deutschland zu sein, ist sofort ein Nazi. Deutschland ist kein Identitätsfaktor. Leider und auch unberechtigt. Aber so kommt es, daß man auf die englische Sprache ausweicht. Zu sehen auch an den inflationären Namensgebungen aus dem Englischen: Horden von Kevins, Marvins, Dustins oder Brians verdrängen Andreas, Klaus, Stefan oder Christian.
Eine bedenkliche Entwicklung.



