Gerade wieder hat Rußland sehr deutlich dokumentiert, daß es im Zweifel den Finger sehr schnell am Abzug hat. Natürlich hat Georgien den Konflikt mit Südossetien selbst angestoßen, aber die Welle der russischen Vernichtung war sicher für alle Beteiligten erschreckend und vollkommen überraschend. In diesen Konflikt platzt nun heute die Meldung, die USA haben sich mit Polen auf die Stationierung von 10 Raketen auf deren Territorialgebiet geeinigt.
Ich glaube, daß die amerikanische Politik einen Faktor immer wieder gerne unberücksichtigt läßt: Den Nationalstolz der Russen, der durch den Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Positionsverlust als zweite Supermacht in der Welt, erheblichen Schaden genommen hat. Insbesondere Putin zeigt, daß er weiterhin die Nummer eins im Land ist und alles für die Wiederkehr des Einflusses einer Supermacht beiträgt. Wenn nun die USA in dem ehemaligen Mitglied des Warschauer Paktes, Polen, ihre Raketen stationieren, sticht das exakt in diese Wunde. Man erinnere sich: Nie war die Welt näher an einem dritten Weltkrieg, als zu Zeiten, da auf Kuba solche Raketen stationiert werden sollten. Offensichtlich haben wir an dem Punkt keinen Lerneffekt erzielt. Jetzt einigen sich die USA und Polen auf die Stationierung von Raketen auf dem ehemaligen Einflußgebiet Rußlands, das gerade mit größter Brutalität ein Nachbarland niedermacht, das auch mit einer Mitgliedschaft in der Nato liebäugelt. Die Raketenstationierung ist im Augenblick so, als wurde man einem Kampfhund, der gerade im Blutrausch am Hals seines Gegners hängt, einen kräftigen Tritt geben. Das sollte man tunlichst unterlassen. Aus russischer Sicht ist die Stationierung sicher eine Provokation, die außerdem in sich die Nachricht trägt, wie unwichtig Rußland im Machtgefüge der Welt in den Augen der Amerikaner geworden ist, daß man sich nun traut, Raketen direkt vor deren Nase zu positionieren, die früher so fast den dritten Weltkrieg verursacht haben.
Ich kann nur hoffen, die Russen sind durch ihren militärischen „Erfolg“ in Südossetien so befriedigt, daß sie sich eben nicht wie ein bissiger Kampfhund verhalten. So oder so ist das Handeln der Amerikaner nicht eben als geschickt zu betrachten. Auch wenn die Zeiten sich geändert haben, spielen die USA da mit einem ganz gefährlichen Feuer.



